Heilpraktikerberuf vor der Abschaffung?

Gudrun| Dezember 9, 2020

Wenn Sie den Beruf des Heilpraktikers erlernen möchten, sollten Sie dabei bedenken, dass zurzeit die Zukunft des Berufs nicht mehr gesichert ist.

Weil die Voraussetzungen für die Ausbildung sehr gering ausfallen, bei vielen Behandlungen kein Wirkungsnachweis besteht und sich durch unwissenschaftliche Therapien Gefahren (in einigen Fällen mit Todesfolge) ergeben, hat das Gesundheitsministerium die Überprüfung des gesamten Heilpraktikerwesens beschlossen.

Im Gespräch stehen unter anderem das Einführen strengerer Zulassungsbeschränkungen für den Beruf bis hin zu seiner vollständigen Abschaffung. 

Das Ministerium orientiert sich mit der Überprüfung an den Vorschlägen des „Münsteraner Kreises”, einer 17-köpfigen Expertengruppe. Auf Initiative von Bettina Schöne-Seifert hin (Professorin für Medizinethik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster) hat diese seit 2016 eine Reihe von Kritikpunkten am Heilpraktikerberuf erarbeitet.

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Fehlende Berufsordnung

Vor allem stört sich der Münsteraner Kreis daran, dass es für Heilpraktiker keine verbindliche Berufsordnung gibt. Ihre Zulassung hängt tatsächlich nur an einer amtlichen Prüfung, die ausschließen soll, dass von den Heilpraktikern „eine Gefahr für die Volksgesundheit“ ausgeht.

Trotzdem ist es Heilpraktikern im Berufsalltag erlaubt, ohne Wirkungsnachweis eigene Therapien auch zu schweren Krankheiten anzuwenden.

Laut dem Münsteraner Kreis kann durch das Etikett „staatlich anerkannt“ für Patienten daher leicht der Eindruck entstehen, dass es sich bei Medizinern und Heilpraktikern um gleichwertige Berufe handelt. Außerdem locken – so der Münsteraner Kreis – die Angebote der Heilpraktiker zusätzlich dadurch, dass sie fälschlicherweise als natürlich, sanft, wirksam und nebenwirkungsfrei empfunden werden. 

Das wird gefordert

In ihrem „Münsteraner Memorandum Heilpraktiker“ schlägt die Expertengruppe vor, entweder den Heilpraktikerberuf ganz abzuschaffen oder ihn durch die Einführung des spezialisierten „Fach-Heilpraktikers“ als Zusatzqualifikation für bestehende medizinische Berufe zu etablieren.

Fach-Heilpraktiker

Die Bezeichnung „Fach-Heilpraktiker“ soll (nach einer wissenschaftsorientierten Ausbildung und staatlicher Prüfung) also nur tragen dürfen, wer bereits eine vorherige Ausbildung in einem nicht-akademischen oder teilakademischen Heilberuf absolviert hat.

Dazu zählen zum Beispiel Ergotherapeuten, Gesundheits- und Krankenpfleger, Logopäden oder Physiotherapeuten.

Darüber hinaus soll die Ausbildung einen deutlichen Schwerpunkt auf Kommunikation und Empathie setzen, sowie die Fähigkeit vermitteln, heilpraktische Verfahren ebenso kritisch wie jede wissenschaftsorientierte Methode zu reflektieren.

Die Behandlungen, die Fachheilpraktiker durchführen dürften, blieben in diesem Szenario zudem auf ihr ursprüngliches Fachgebiet beschränkt. Einem Physiotherapie-Fachheilpraktiker wäre so zum Beispiel nur die Behandlung von Beschwerden und Erkrankungen im Bewegungsapparat erlaubt.

Bundesregierung reagiert

Das Bundesgesundheitsministerium hat Ende 2019 ein Gutachten ausgeschrieben und mittlerweile in Auftrag gegeben, das zum Ziel hat, eventuell mögliche Veränderungen bei der Qualifikation von Heilpraktikern und eine infrage kommende Abschaffung des Berufs zu prüfen. Die Ergebnisse liegen bislang nicht vor.

Nur für Mediziner sinnvoll

Eine Ausbildung zum Heilpraktiker lohnt sich mit Blick auf die Zukunft eventuell nur noch dann, wenn Sie bereits Mediziner sind und ebenfalls alternative Therapien anbieten wollen (wie zum Beispiel die erwiesenermaßen wirksame Akupunktur).

Sind Sie kein Mediziner, sollten Sie sich gut überlegen, ob Sie an die Zukunft des Berufs glauben wollen. Wird dieser schlimmstenfalls abgeschafft, bevor Sie Ihre Zulassung erhalten, haben Sie ansonsten viel Zeit und Geld verloren.

Tipp: Grundsätzlich sollten Sie beim Ergreifen des Berufs dringend beachten, Patienten mit schweren Krankheiten nicht allein, sondern mit ungefährlichen Therapien begleitend zur Schulmedizin zu behandeln. So minimieren Sie das Risiko für Ihre Patienten.

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Gudrun Schulz

Frau Schulz hat die Initiative „homeopathyactiontrust.org“ ins Leben gerufen. Sie, externe Ärzte und Homöopathen freuen sich auf Ihre Fragen, Anregungen und Kommentare an info[at]homeopathyactiontrust.org

Gudrun Schulz

Hat die Initiative homeopathyactiontrust.org gestartet